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Die »Kunst des Handelns« von Michel de Certeau

Prof. Dr. Kirsten Wagner
Mo, 10:00–13:00 Uhr
Raum
zoom.us/j/3573074721

In den späten 1970er Jahren führten der französische Philosoph Michel de Certeau, die Wissenschaftshistorikerin Luce Giard und der Soziologie Pierre Mayol eine Studie über die Aktivitäten von Verbraucher*innen durch. Die Ergebnisse der Studie wurden über zwei Bände dokumentiert, deren erster auf Michel de Certeau zurückgeht. 1980 unter dem Titel „Lʼinvention du quotidien: Arts de faire“ herausgegeben, erschien der Band unter dem Titel „Kunst des Handelns“ 1988 in deutscher Sprache. Der zweite Band von Luce Giard und Pierre Mayol thematisiert unter demselben Titel das Wohnen und das Kochen als zwei zentrale Aktivitäten von Verbraucher*innen. Vor allem der Band von Michel de Certeau hat seit den 1980er Jahren große Verbreitung gefunden und gilt heute als zentraler Beitrag zu aktuellen Gesellschafts- und Kulturtheorien. In der „Kunst des Handelns“ unternimmt Michel de Certeau eine von den alltäglichen Praktiken der Menschen – insbesondere von ihrem Sprechen und Gehen (ihr Kochen und Wohnen stehen im Fokus des zweiten Bandes von Giard und Mayol) – ausgehende Analyse und Bestimmung der Gesellschaft. Grundlegende Annahme ist, dass die alltäglichen Praktiken nicht nur jeder gesellschaftlichen Struktur (und auch jedem wissenschaftlichen Faktum) vorausgehen und sie schaffen, sondern sie zugleich übersteigen, entgrenzen, ändern können, worin ein besonderes emanzipatorisches Potential der alltäglichen Praktiken liegt. Im Lektüreseminar wollen wir uns der Schrift Michel de Certeaus in kleinen Schritten annähern, sie gemeinsam diskutieren und verstehen. Ein Schwerpunkt der Schrift und auch des Seminars liegt auf den „Praktiken im Raum“. Über die alltägliche Praxis des Gehens hat Michel de Certeau einen Raumbegriff entwickelt, der sich für die Künste und das Design, die Kartografie, die Literatur, die Wissenschaften als grundlegend erweist. Wer also gesellschafts- und kulturtheoretisch interessiert ist und/oder sich mit Fragen der körper- und objekthaften, aber auch der visuellen Erzeugung und Darstellung von Räumen beschäftigt, wird in diesem Lektüreseminar wenn nicht fertige Antworten, so doch sicher Denk- und Handlungsanstöße bekommen.

Teilnahmevoraussetzung: regelmäßige Lektüre von überschaubaren Teilkapiteln, Präsentation und Diskussion der Lektüreergebnisse.

Ein Reader mit Textauszügen aus der Primär- und Sekundärliteratur wird zu Beginn des Semesters ausgeteilt.

Das Seminar ist als digitales Angebot geplant und findet als Zoom-Seminar statt.


Modulbezeichnungen
PO 19:
Kunst- und Kulturwissenschaften (1406) – 3 SWS, 4 CP
Bild- und Sprachwissenschaften (1407) – 3 SWS, 4 CP

Kulturtheorie I (1120) – 3 SWS, 5 CP
Zeichentheorie I (1115) – 3 SWS, 5 CP
Kulturtheorie II (1220) – 3 SWS, 5 CP
Zeichentheorie II (1215) – 3 SWS, 5 CP

PO 13/16:
Kunst- und Kulturwissenschaften (2302) – 4 SWS, 6 CP
Wissenschaftsmodul/Theorie der Gestaltung 1 (1300) – 4 SWS, 6 CP

Kulturtheorie (2005/2006) – 3 SWS, 5 CP
Zeichentheorie (2003/2004) – 3 SWS, 5 CP
Wissenschaftspraxis (4004) – 3 SWS, 5 CP

Vorbesprechung
4. April 2022, 10:00
zoom.us/j/3573074721
Raum

Sprechstunde
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